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Zahlen

Vom Acker bis auf den Teller gehen weltweit etwa ein Drittel der Lebensmittel verloren, die für die menschliche Ernährung produziert werden. Das sind jedes Jahr 1,3 Milliarden Tonnen, schätzt die Welternährungsorganisation (FAO, 2011).

Baseline 2015: Bundesweit zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelabfall

Mit der im September 2019 veröffentlichten Studie "Lebensmittelabfälle in Deutschland – Baseline 2015" wurde das Lebensmittelabfallaufkommen erstmals über die gesamte Lebensmittelversorgungskette in den Sektoren Primärproduktion, Lebensmittelverarbeitung, Groß- und Einzelhandel, Außer-Haus-Verpflegung und private Haushalte ermittelt.

Die Studie des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (TI) ergab, dass in Deutschland – bezogen auf das Jahr 2015 – jährlich rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. In der Primärproduktion fallen 12 Prozent (1,4 Mio. Tonnen) der Lebensmittelabfälle an. Bei der Verarbeitung von Lebensmitteln entstehen 18 Prozent (2,2 Mio. Tonnen). Im Groß- und Einzelhandel sind es vier Prozent (0,5 Mio. Tonnen) und in der Außer-Haus-Verpflegung fallen 14 Prozent der Lebensmittelabfälle (1,7 Mio. Tonnen) an. Der größte Teil entfällt mit 52 Prozent (6,1 Mio. Tonnen) auf die privaten Haushalte.

 

 

Für die Erhebung wurden unterschiedliche Methoden verwendet. Hierzu zählen direkte Messungen, Massenbilanzen, Abfallanalysen, Befragungen und Zählungen, die teilweise miteinander kombiniert wurden. Dabei handelt es sich jeweils um die besten zur Verfügung stehenden Daten zum Zeitpunkt der Untersuchung. Unsicherheiten in der Datenlage bestehen vor allem in den Bereichen Primärproduktion, Verarbeitung und Groß- und Einzelhandel. Zu Verbesserung der Datenlage sollen unter anderem die Arbeiten der sektoralen Dialogforen der Nationalen Strategie beitragen. Derzeit wird ein Konzept zu einem kontinuierlichen und zeitreihenfähigen Monitoring der Lebensmittelabfälle entwickelt. Auf der Grundlage besserer Daten kann die Baseline 2015 gegebenenfalls revidiert und die Zielerreichung fortlaufend geprüft werden.

Was auf den Feldern und in der Produktion verloren geht

Von der Landwirtschaft über das Aufbereiten der Rohstoffe bis zur industriellen und handwerklichen Herstellung von Nahrungsmitteln – wo wertvolle Lebensmittel entstehen, geht auch vieles unnötig verloren. Die Ursachen sind vielfältig: Weil Lebensmittel den Normen nicht entsprechen, weil in der Produktion nicht der gesamte Rohstoff verwertet wird oder weil unverkäufliche Überschüsse entstehen. Ausgewählte Lösungen finden Sie hier.

Lebensmittelverluste im Handel

Lange Öffnungszeiten, volle Regale bis zum Ladenschluss und kaum kalkulierbares Einkaufsverhalten stellen den Handel tagtäglich vor große Herausforderungen, vor allem bei leicht verderblichen Lebensmitteln. Nicht alle Waren aus dem Frischebereich können am nächsten Tag noch angeboten werden, hinzu kommen beim Transport beschädigte Produkte und Lebensmittel deren Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum abgelaufen ist. In der Summe fallen im Handel 550 000 Tonnen Lebensmittelabfall jährlich an. Das Dialogforum Groß- und Einzelhandel zielt auf die systematische Verringerung von Lebensmittelabfällen im Groß- und Einzelhandel in Deutschland ab. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Aktivitäten gegen Lebensmittelverschwendung einzelner Handelsunternehmen.

Lebensmittelabfälle in der Außer-Haus-Verpflegung

In der Außer-Haus-Verpflegung fällt der größte Anteil an Lebensmittelabfällen in Bezug zu der eingesetzten Menge an: Hier landen bis zu 35 Prozent der zubereiteten Lebensmittel im Müll. Gleichzeitig wird der Branche das größte Potenzial bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen zugesprochen. Im Dialogforum Außer-Haus-Verpflegung werden konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen für diesen Bereich erarbeitet, getestet und in Leitfäden überführt. Was außerdem in Kantinen und Restaurants gegen die Verschwendung von Lebensmitteln getan wird, erfahren Sie hier.

Der Abfall der Privathaushalte

Privathaushalte in Deutschland werfen vor allem Obst und Gemüse weg, sie machen 34 Prozent der Verschwendung aus. Am zweithäufigsten landen zubereitete Speisen im Müll (16 Prozent), gefolgt von Brot und Backwaren mit 14 Prozent. Das zeigte eine erste repräsentative Studie zum Thema. Das zeigte eine Systematische Erfassung von Lebensmittelabfällen der privaten Haushalte in Deutschland", durchgeführt in 2017 von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Insgesamt fällt in privaten Haushalten mit rund 6,1 Millionen Tonnen die größte Menge an Lebensmittelabfällen an. Immer mehr Menschen aus der Zivilgesellschaft wollen das nicht mehr hinnehmen. Beispiele für ihre Aktivitäten finden sich hier.

Wie viele Backwaren landen in der Tonne?

In einem Projekt der Fachhochschule Münster, unterstützt vom Verbraucherschutzministerium NRW, wurde der Abfall in Bäckereien in NRW erfasst. Untersucht wurden insgesamt fünf handwerkliche Bäckereibetriebe aus dem Münsterland und eine Bäckerei aus Hilden. Die erhobenen Daten ergeben einen Annäherungswert und sind nicht repräsentativ. Insgesamt waren sechs handwerklich arbeitende Bäckereien sowie Innungen und die Handwerkskammer, ein Beratungsunternehmen, Lieferanten und Verbände am Projekt beteiligt. Zunächst erfolgte eine detaillierte Prozessanalyse sämtlicher Informations- und Materialflüsse. In den Betrieben wurden die Produktions-, Planungs- und Verkaufsprozesse untersucht. Es wurden Messungen in allen Betrieben durchgeführt, um die Menge des Lebensmittelabfalls zu erfassen. Das Ergebnis: Die Verluste in der Produktion in allen Bäckereien sind relativ gering. Der Ausschuss liegt in der Regel weit unter fünf Prozent bezogen auf den Rohstoff-Einsatz. Die entscheidende Stelle, wo Verluste im Prozess auftreten, wird mit der Retourenquote erfasst. Diese beschreibt die Übermenge aus den Filialen, die zurück in den Betrieb gehen und liegt in den beteiligten Bäckereien in einer Spanne von sechs bis 17 Prozent.

Beispiel Bayern: Lebensmittelabfälle in den Ländern

Die fortlaufende Erfassung von Lebensmittelverlusten in Bayern soll Einsparungen auf jeder Wertschöpfungsstufe dokumentieren, die Entwicklung der Lebensmittelabfälle in Bayern insgesamt abbilden und bestehende Datenbanken fortschreiben. Für jede Stufe der Wertschöpfungskette wird ein Monitoring der Lebensmittelverluste durchgeführt. Hierfür werden vor allem Partner des Bündnis „Wir retten Lebensmittel!“ miteinbezogen. Die Daten können auf gesamte Systeme hochgerechnet werden, beispielsweise auf Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegung. Die Bewertung von Lebensmittelverlusten erfolgt anhand geeigneter Nachhaltigkeitsparameter (nicht nur die Mengen an weggeworfenen Lebensmitteln). Anhand der Modelle können Einsparpotenziale für die einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette ausgewiesen werden. In der Studie Lebensmittelverluste und Wegwerfraten im Freistaat Bayern im Jahr 2012 wurde ein Vermeidungspotential von 1,3 Mio. Tonnen ausgewiesen.

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